Seitenkopf von Struppi & Co - Tierärztliche Gemeinschaftspraxis - Hundeschule
Frau und ziemlich grosser Hund

Wie spreche ich mit meinem Hund

Ausdrucksverhalten dient der Kommunikation - innerartlich (also zwischen Hunden) oder zwischen verschiedenen Arten (z.B. Mensch und Hund).
Was genau bedeutet Kommunikation? Kommunikation bedeutet nichts anderes als „Nachrichtenaustausch“ zwischen einem Sender und einem Empfänger. Erfolgreiche Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Sender und Empfänger die selbe Sprache sprechen. Und das ist nicht immer selbstverständlich.
Manchmal bemerkt ein Sender gar nicht, dass der Empfänger ihn tatsächlich nicht versteht, sondern hält den anderen für „bockig“.
Oder ein Sender sendet Signale, ohne es zu merken und die Reaktion des Empfängers überrascht oder verärgert ihn dann.
Hundebesitzer kommunizieren zum Beispiel häufig unbewusst mit ihrem Hund. Hunde achten nämlich sehr auf die Körpersprache ihres Gegenübers und das ist uns Menschen oft nicht bewusst. So können sich Fehler bei der Kommunikation einschleichen und darüber dann Probleme im Zusammenleben zwischen Hunden und Menschen entstehen. Zum Beispiel sind viele Gehorsamsprobleme oft auch ein Zeichen für fehlerhafte Kommunikation zwischen Hund und Besitzer.
Und genau aus diesem Grund sollte sich jeder Hundebesitzer mit dem Thema „Hundesprache“ ausführlich befassen. Wenn Sie wissen, wie und wodurch Ihr Hund „zu Ihnen spricht“, hat dies viele Vorteile für ein entspanntes und stressfreies Miteinander. Und auch für den Hund wird das Zusammenleben mit Ihnen dann einfacher und entspannter. Es lohnt sich also, etwas über die Kommunikation von und mit Hunden zu erfahren.

Wölfe und Hunde sind gesellige Tiere; sie sind sozusagen „obligat sozial“. Unsere Haushunde leben meist nicht in Hundefamiliengruppen und man weiß mittlerweile auch, dass sich Erkenntnisse aus der Forschung über den Wolf nicht so ohne weiteres auf den Hund übertragen lassen. Aber trotzdem liegt der Schwerpunkt für die Kommunikation auch für den Hund darin, das soziale Miteinander so zu regeln, dass er keinen Schaden nimmt und seinen eigenen Zustand optimiert.
Dabei ist es dem Hund erst einmal egal, ob der Kommunikationspartner (Sozialpartner) ein Mensch oder anderer Hund ist. Für den Hundebesitzer ist es daher wichtig, zu lernen, wie Hunde miteinander „sprechen“ und dieses Wissen dann im Umgang mit seinem Hund anzuwenden.

Im Nahbereich kommunizieren Hunde überwiegend über optische und taktile (=Berührungs-) Signale. Akustische Signale (z.B. Bellen oder Knurren) setzen sie ergänzend ein, um bestimmte „Aussagen“ zu verdeutlichen.
Die Kommunikation über optische Signale nennt man im engeren Sinn  „Ausdrucksverhalten“. Im erweiterten Sinn gehören dann auch die Geräusche dazu.
Dabei benutzen Hunde ihren ganzen Körper, um Signale zu senden. Die Mimik wird durch die Augen, die Ohren, die Stirn, die Maulspalte (Lippen) und den Nasenrücken bestimmt. Die Gestik ergibt sich aus Körperhaltung, Körperbewegung sowie Kopfhaltung und Rutenstellung.
Wenn man bedenkt, dass der Wolf beispielsweise über ca. 60 verschiedene Mimiken verfügt, wird klar, wie fein er die einzelnen Ausdruckselemente differenziert bewegen kann. Und erst, wenn man die Gesamtheit der einzelnen Elemente betrachtet, erhält man eine Aussage über den momentanen Gefühlszustand oder eine Handlungsabsicht.

Das Grundrepertoire an Ausdrucksverhalten von Wolf und Hund ist grundsätzlich ähnlich. Die Unterschiede zwischen Wolf und Hund kommen dadurch zustande, dass der Mensch durch Zucht die ursprüngliche Erscheinung des Wolfes zum Teil massiv verändert hat. Aufgrund  zahlreicher rassetypischer Variationen in den unterschiedlichen Körpermerkmalen hat ein Hund es schwerer mit Artgenossen zu kommunizieren als der Wolf, da sich die einzelnen Rassen in ihrem Äußerlich teilweise stark unterscheiden.
Ein gutes Beispiel für eventuelle Kommunikationsprobleme zwischen Hunden unterschiedliche Körperbaus ist die Rute bzw. die Rutenhaltung: einige Rassen verfügen über lange Ruten, andere über Kringelruten oder eine Rute ist gar nicht vorhanden (von Geburt an oder kupiert - das Kupieren ist in Deutschland übrigens seit 1998, mit Ausnahmen bei bestimmten Jagdhunderassen, verboten))
Für eine reibungslose Kommunikation unter Hunden verschiedener Rassen ist das Verstehen möglichst vieler „Dialekte“ notwendig. Dieses muss ein Hund in seiner Sozialisationsphase lernen.
Um ein normales, artgerechtes Sozialverhalten zu entwickeln, benötigt der Welpe in dieser Phase die entsprechenden Umweltsignale. Die sozialen Gesten an sich, also z.B. Zähne zeigen oder die Ohren nach hinten legen, sind dem Hund zwar angeboren – die Fähigkeit, diese bei Sozialpartner zu erkennen und dann darauf korrekt zu antworten aber nicht. Genau dieses Lernen wird als Sozialisation bezeichnet. In der Sozialisationsphase speichert der Welpe alle Lebewesen, denen er begegnet, bei zumeist positivem Kontakt als Artgenosse oder befreundete Spezies ab.
Eine geeignete Plattform für die Sozialisation an andere Hunde ist eine gut geführte Welpengruppe: hier spielen Welpen verschiedenster Rassen miteinander und lernen so die Kommunikation mit Schlappohren, Stehohren, kurzen Faltengesichtern, Langnasen, Vollbarträgern, Rastalocken und Ramsnasen.

Auch wenn Hunde mit uns Menschen kommunizieren gibt es manchmal Missverständnisse.
So interpretieren Menschen manchmal ein Verhalten aus „Menschensicht“ und der Hund meint in seiner „Hundesprache etwas ganz anderes. Z.B. bei der Begrüßung:
Wenn ein Hundebesitzer nach Hause kommt, zeigt sein Hund vielleicht ein Verhalten, dass man als Aktive Demut bezeichnet. Dieses Verhalten zeigen Hunde untereinander bei der Begrüßung freundlich gesonnener und/ oder bekannter Tiere. Dabei werden bestehende soziale Bindungen bestätigt und gefestigt.
Zur Aktiven Demut  gehören neben Verhaltenselemente wie Wedeln mit tief gehaltenen Schwanz und Vorderkörper klein machen auch das Maulwinkellecken. Diese Verhaltensweise hat sich aus dem Maulwinkelstoßen der Welpen gegen den Schnauzenbereich der Elterntiere entwickelt. Die Welpen zeigen es gegenüber den von der Jagd heimkehrenden Elterntieren als eine Geste des Futterbetteln.
Ältere, auch erwachsene Tiere, zeigen dieses Verhalten häufig bei der Begrüßung eines heimkehrenden Menschen. Und um an dessen „Maulwinkel“ zu gelangen, springen sie den Menschen dabei an. Wenn der Mensch das in dem Moment nicht will, weil er glaubt sein Hund sei wild und schrecklich unerzogen, schubst er den Hund vielleicht weg oder schimpft ihn aus. Der Hund versteht dann die Welt nicht mehr: er hat seinem Besitzer gegenüber Unterwerfung gezeigt und der reagiert mit einem Verhalten, das der Hund als „gegen ihn gerichtete Maßnahme“ empfindet. Aus diesem Konflikt heraus zeigt der Hund womöglich noch intensiver (und wilder) sein Demutsverhalten und auch der Besitzer zeigt seine „Abwehr“ heftiger.
Ein klassisches Missverständnis: eigentlich will keiner dem anderen etwas Böses - ganz im Gegenteil - und trotzdem ist die Situation für beide Kommunikationspartner unbefriedigend.
Wie könnte man als Hundebesitzer in so einer Situation besser reagieren:
Zunächst sollte man alles vermeiden, was die Aufregung des Hundes in der Situation noch steigert. Dazu gehört einerseits „nettes Verhalten“ z.B. der Versuch den Hund zu beruhigen, denn der könnte lernen, dass er für das Anspringen belohnt wird. Andererseits sollte man auch „unfreundliches Verhalten“ vermeiden, weil der Hund eventuell sein wildes Demutsverhalten noch steigert, damit sein Besitzer ihn „endlich versteht“.
Am besten man kümmert sich erst mal gar nicht um den Hund, bis der sich etwas beruhigt hat und begrüßt ihn dann nur kurz. Das klingt zwar herzlos, ist für den Hund aber mit weniger Stress verbunden als Schimpfen oder Wegstoßen. Wichtig ist dann, den ruhig auf vier Füssen stehenden Hund (oder den sitzenden Hund) zu belohnen.

Wer mehr über das Ausdrucksverhalten des Hundes lernen möchte, findet in der Bücherliste einige Empfehlungen.